Juniorinnen U 18Bei den TVM-Jugend Meisterschaften in der Halle hat Julia Rennert (Marienburger SC) die U-18 Konkurrenz gewonnen. Im Finale besiegte sie Emily Castillo (BW Köln) mit 6:2, 6:2. Seit 2016 spielt die gebürtige Neusserin beim MSC. Zuletzt war sie auch in der 2. Bundesliga für den MSC zwei Mal im Einzel und drei Mal im Doppel im Einsatz. Bundesligaluft will sie auch im Sommer wieder schnuppern. Obwohl sie dann gerade auf der Zielgeraden zum Abitur ist. Den Doppelstress, Prüfungen und Tennis, nimmt sie gelassen in Kauf. Probleme in der Schule (Lieblingsfächer: Französisch, Englisch, Geschiche) sind ihrer Meinung nach auf den letzten Metern nicht zu erwarten. 

Erst vor zwei Jahren kam Julia zum Marienburger SC. Davor profitierten noch die Vereine des TV Niederrhein von der talentierten Nachwuchsspielerin aus Neuss. Beim TC Gnadental hat sie in ihrem Geburtsort mit sechs Jahren das Tennisspielen erlernt. "Mein Vater hat mich damals mitgenommen",  berichtet sie von ihren Anfängen. "Ich hatte sofort Spass und so gings halt weiter." 

Nach dem TC Gnadental, wo sie auch heute noch trainiert, waren der TC Strümp, der TC Stadtwald Hilden und der TC Moers die nächsten Vereinsstationen. In dieser Zeit gehörte sie beim Verbandsnachbarn am Niederrhein immer zu den besten ihrer Jahrgangsklasse. In Moers gelang dann mit 16 Jahren der Sprung in den Kader der 2. Bundesligamannschaft. Als der Verein sich aus der Liga zurückzog, wechselte Julia auf die andere Rheinseite zum MSC. "Die Trainer beider Vereine kannten sich, so kam der Wechsel zustande," erläutert  die 18-Jährige den Schritt aus dem Verbandsgebiet des Nieder- in den Mittelrhein.

In Köln-Chorweiler trainert sie seitdem auch im Leistungszentrum zwei Mal in der Woche bei Alexander Flock. Der ist voll des Lobs über Julia. "Sie ist ein sehr fleißiges und diszipliniertes Mädchen und Arbeiterin," hebt er an ihr eine Tugend hervor, die besonders im Jugendbereich für jeden Trainer ein großes Plus ist. "Außerdem hängt sie sich im Training immer voll rein und spielt taktisch sehr clever. Sie kann deshalb ihre Gegnerinnen gut lesen beziehungsweise antizipieren was auf dem Platz passiert,"nennt der Verbandstrainer weitere Eigenschaften, die Julia zukünftig auch bei den Turnieren im Erwachsenbereich von Vorteil sein werden.

Auf das Training hat Julia, was nach der Charakterisierung von Alexander Flock nachvollziehbar ist, immer "echten Bock". Die Fahrzeiten vom Elternhaus zum Tennisplatz sind  - gut eine halbe Stunde - überschaubar. Der Vater wird bei Bedarf zum Chauffeur. "Ich hatte noch keine Zeit den Führerschein zu machen, der kommt sofort nach dem Abi dran," verweist sie auf ein konkretes Ziel für die Zeit nach der Schule. "Dann hab ich hoffentlich dafür ein wenig mehr Zeit und Ruhe." 

Aber sie will dann nicht nur die Beine hochlegen und die Straßenverkehrsordnung auswendig lernen. Dafür spielt sie zu gerne Tennis. "Ich will ein Jahr mal nur Tennis spielen. Ich will sehen, was möglich ist."  Abwarten, abwägen, sich nicht unter Druck setzen, werden vorrangige Überlegungen sein. Sie will sich noch nicht festlegen, ob es danach den Tennis-Profi oder die Studentin Julia geben wird. Wenn es mit den Erfolgen im Tennis ihrer Meinung nach nicht klappen sollte, würde sie gerne Lehramt studieren. "Ich kann ganz gut mit Kindern," verrät sie Erfahrungen aus einem Schülerpraktikum in einer Grundschule. 

Tennis spielt künftig aber schon eine große Rolle in ihren Überlegungen. Sie traut sich einiges zu. Verlassen kann sie sich dabei auf ihre Rückhand und auf ihren Kampfgeist, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Und: "Ich seh das alles nicht so verbissen, ich bin deshalb auch nicht übermäßig nervös, wenn es in einem Spiel mal eng wird," analysiert sie ihr Innenleben vor und während eines Matches. Das bestätigt auch ihr Trainer. "Sie ist mental sehr stabil, was ihre konstanten Leistungen erklärt  und damit verbunden auch ihre hohe Ranglistenpostition." Und für Julia auch ganz wichtig: "Ich bin eine ruhige und geduldige Spielerin." 

Diese Eigenschaften verdankt sie möglicherweise einem anderen Hobby, das sie schon genauso lange wie Tennis ausübt. "Wenn ich beim Geige spielen auf Anhieb nicht den richtigen Ton treffe, werfe ich nicht gleich den Bogen weg wie das viele mit ihrem Tennisschläger machen," erklärt sie schmunzelnd beruhigende Auswirkungen ihrer musikalischen Übungseinheiten auf das Spiel mit dem etwas klobigeren Spielgerät beim Tennis.   

In ihrer unkomplizierten Art offenbart sie im Gespräch auch noch andere "Therapien" zum abschalten und runterkommen. Sie liest gerne und viel - am liebsten - siehe Lieblingsfächer in der Schule - Bücher in englischer oder französischer Sprache. Inhaltlich vorzugsweise Fantasie Schmöker. "Da kann man so richtig in andere Welten eintauchen und abschalten." 

Abwechslung bietet für rsie von Kindesbeinen an auch der alljährliche Skiurlaub mit den Eltern. Die benachbarte Skihalle in Neuss - sozusagen vor der Haustür - lässt die Familie links liegen und nimmt dafür gerne ein paar Stunden Autobahn Richtung Süden in Kauf. Ein Reiseziel ist dann wie zuletzt Südtirol. Dort sind die Pisten inklusive frischer Luft eben anspruchsvoller. "Hier kann ich mich immer so richtig austoben," kommt Julia, die sich selbst als "ganz gute Skifahrerin" outet, beim Erzählen richtig ins Schwärmen.   

Die Ambitionen im Schnee halten sich bei Julia, aber in Grenzen. Freizeit, Urlaub und Aprés Ski eben. Im Tennis will Julia sich noch ein wenig ausreizen. Obwohl sie kein Typ ist, der sich an Ranglistenpositionen orientiert, läßt sie sich doch ein Ziel entlocken  "So einen Platz in den Top 200, das wär schon was", blickt die TVM-Meisterin zuversichtlich nach vorne. Ganz ohne Stress. Den hat sie in den nächsten Wochen noch zur Genüge bei den Abi-Prüfungen. (Michael Thoma)