StruffEs war das perfekte Weihnachts-Timing. Kurz vor der Bescherung machte sich der Bundesligist Kurhaus Aachen sein wohl schönstes Geschenk. Was die Tennis-Spatzen seit langem schon von den Clubhaus Dächern der Republik pfiffen, wurde am 23. Dezember endlich konkret: die beiden Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff und Tim Pütz wechseln vom ehemaligen Erstligsten Blau-Weiss Halle zum TK Kurhaus Aachen. Als klar war, dass die vielfachen Deutscher Meister aus Westfalen nicht mehr in der Bundesliga spielen wollten und konnten, machten sich die Aachener, viele Jahre einer der härtesten Mitkonkurrenten um den Meistertitel in der Bundesliga, bereits Hoffnungen auf Struff und Pütz (nachzulesen in der TVM Verbandszeitschrift 8/18).

Waren immer "dran" 

Schon damals erklärte Kurhaus Manager Alexander Legsding im Gespräch, dass Struff und Pütz beide gerne nach Aachen wechseln würden. "Sie sind mit Cedrik-Marcel Stebe und Diominik Meffert  befreundet," nannte er einen wichtigen Punkt. "Die beiden sind tolle Typen und passen auch charakterlich in unser Team," hebt  der Sportliche Leiter auch eine zwischenmenschliche Komponten hervor. Da die beiden nur gemeinsam wechseln wollten, waren ausführiche Gespräche zwangsläufig erforderlich. Wahrscheinlich hat die Vollzugsmeldung deshalb auch etwas länger gedauert, bevor Hauptsponsor und "Entscheider" Dr. Hermann Bühlbecker sein Okay zum Wechsel gab. "Er hatte sich damals bereits mit einem Wechel der beiden angefreundet," erinnert sich Alexander Legsding. Die Details, sprich die finannziellen Rahmenbedingungen, mussten abgeklopft und auf einen Nenner gebracht werden. Mit der Verpflichtung der beiden Daviscupspieler musste zwangsläufig auch der Etat angehoben werden, nachdem beim fünffachen Deutschen Meister zuletzt wegen der Etatkürzungen Titelambitionen außer Reichweite waren. 

Während Jan-Lennard Struff aufgrund seiner Ranglistenposition auch die "großen" Turniere bestreiten wird, soll er auf jeden Fall zum Auftakt der Bundesiga möglichst drei Mal zum Einsatz kommen. So ist es nach den Vorstellungen der Kurhaus Macher geplant. Mehr Spielmöglichkeiten wird Tim Pütz erhalten. Er hat einen Vertrag über sechs Einsätze. 

Ansprüche 

Dadurch werden automatisch auch die sportlichen Ansprüche erhöht. Über konkrete Titelambitionen will Alexander Legsding aber noch nichts verlauten lassen. Durch den Rückzug von Halle scheint die Liga ausgeglichener, wobei, so der Sportliche Leiter von Kurhaus, sich mit dem Aufsteiger Großhesselohe ein Titelaspirant herauskristallisiert. "Die haben ein  bärenstarkes Team", verweist Legsding auch auf frühere Kurhaus-Spieler wie Bachinger, Mayer, Brands oder Gojowczyk, die jetzt im Süden Deutschlands um Bundesligapunkte kämpfen. "Es wird bei unserem Spiel in München auf jeden Fall ein großes Wiedersehen geben," freut sich Legsding. 

Die Neuen 

Jan-Lennard Struff ist am 25. April 1990 in Wartein geboren. Er belegt aktuell zum Jahresende in der Weltrangliste Platz 57, im Doppel Rang 22. Im Einzel ist er  hinter Alexander Zverev (4) und Philipp Kohlschreiber (34) der am besten platzierte deutsche Spieler. Bereits 2011 und 2012 gwann Struff den Titel bei den nationalen Deutschen Meisterschaften. Sein Davis-Cup-Debut feierte er 2015. Gegen Frankreich verlor er sein erstes Match gegen Gilles Simon nach mehr als vier Stunden in fünf Sätzen. Zwei Jahre später sorgte er im Relegationsspiel gegen Polen für den entscheidenden Sieg für das deutsche Team, das damit in der Weltgruppe blieb. In der Bundesliga spielte er elf Jahre für Blau-Weiss Halle.

PuetzTim Pütz ist am 19. November 1987 in Frankfurt am Main geboren. Nach seinem Abitur spielte er hauptsächlich auf Turnieren der  Future und Challenger Tour.  Seinen ersten Titel  bei einem  ATP-Turnier gelang ihm mit seinem neuen Teamkameraden von Kurhaus, Philpp Petzschner, in Stuttgart. Beide hatten damals eine Wildcard erhalten. Zwischen 2008 und 2012 studierte Pütz in Auburn/Alabama Volkswirtschaft. 2014 rückte er in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als er beim Turnier in Halle Sparrings-Partner von Roger Federer wurde. Ein Jahr später warf ihn eine komplizierte Knieverletzung zurück. Nach der Genesung  erhielt er 2017 eine Berufung in das Deutsche Davis Cup Team, nachdem André Begemann und Philipp Petzschner wegen Verletzungen ausgefallen waren. Er nutzte die Chance und sicherte der deutschen Mannschaft im Doppel mit Jan-Lennard Struff den Klassenerhalt. In der Weltrangliste liegt er im Einzel momentan auf Rang 414, im Doppel gehört er auf Platz 60 jedoch zu den besten. 

Das Duo Struff/Pütz gehört nach seinen gemeinsamen erfolgreichen Auftritten in der Bundesliga und im Davis Cup zu den besten deutschen Doppelpaarungen. In Anlehnung an die Comic-Serien Helden Tim &  Struppi werden sie bei vielen Tennisfans seitdem im Doppelpack nur noch "Tim und Struffi" genannt. 

Neben Struff und Pütz wurden mit dem Franzosen Mathias Bourgue sowie dem Italiener Fillipo Baldi zwei weitere Neuzugänge vermeldet. "Wir sind jetzt noch auf der Suche nach zwei weiteren Spieler, dann werden die Planungen wohl abgeschlossen sein", blickt Legsding zufrieden auf die bisher geleistete Arbeit für die nächste Saison. Die weihnachtliche Bescherung war ihm gelungen. (Michael Thoma)