InklusionIn Kooperation mit dem Partner „Tennis für Alle“ der Frechener Gold-Kraemer-Stiftung fanden im September 2018 gleich mehrere Aktionen im Bereich Inklusion statt. Der Tennisverband Mittelrhein möchte ein nachhaltiges Zeichen für die Teilhabe von Sportlern mit Behinderung am Tennissport setzen.

Dass jeder im Verein Tennis spielen kann, einfach weil er Lust darauf hat, ist in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit. Sportler mit Behinderung stoßen immer wieder auf Barrieren oder Berührungsängste. Diese bestehen möglicherweise auch auf beiden Seiten: Tennisvereine und Trainer öffnen sich nicht für diese Zielgruppe, weil sie Angst davor haben, etwas falsch zu machen oder überfordert zu sein und andersherum gehen Menschen mit Behinderung nicht auf die Vereine zu, aus Angst vor Zurückweisung oder nicht den Ansprüchen genügen zu können.

Diese Berührungsängste können nur durch Begegnungen abgebaut werden: Wenn auf dem Platz und im Vereinsleben Tennisspieler mit und ohne Behinderung aufeinandertreffen, wird Inklusion irgendwann zur Selbstverständlichkeit. Von diesen besonderen Begegnungen gab es gleich mehrere im TVM-September.

Offene Kölner Rollstuhltennis-Meisterschaften

Rollstuhl

Am Wochenende des 01. und 02. Septembers kamen Rollstuhlfahrer und Fahrerinnen aus ganz Deutschland auf der Anlage des Marienburger Sport-Clubs zusammen, die die paralympische Disziplin Rollsthuhltennis nicht als Leistungssport betreiben, sondern vielmehr auf breitensportlicher Ebene die Gemeinschaft unter den Sportlern aber natürlich auch das Treffen und Messen mit anderen Spielern genießen. Neben Erwachsenen findet auch die Nachwuchsklasse bei diesem Turnier ein besonderes Augenmerk. Dergleiche Gelegenheiten für Rollstuhltennis-Breitensportler existieren in Deutschland nur drei bis vier, davon ist das am längsten bestehende der Kölner Termin, der daher einen extrem wichtigen Anlaufpunkt für ein Zusammenkommen der Rollstuhltennis-Szene in Deutschland bildet.

 

Tennis für Alle Championships

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Unter dem Motto „Deutschlands vielfältigstes Doppelturnier“ luden die Gold-Kraemer-Stiftung und der TC Weiden am 22. und 23. September nach Köln ein. 20 Teilnehmer mit und 20 ohne Behinderung spielten in immer wieder neu zusammengelosten Doppelpartien sowie einigen Sonder-Disziplinen aus den Bereichen Koordination und Teamwork um den Sieg für ihre Mannschaft. Hier traf der erfahrene Doppelfuchs auf den jungen Athleten mit geistiger Behinderung und die ambitionierte Dame auf den Rollstuhltennis-Spieler. Auf Augenhöhe wurde gemeinsam alles gegeben und am Samstagabend gefeiert. Die erfolgreiche Erstauflage dieses einzigartigen inklusiven Doppelturniers wird sicher 2019 Wiederholung finden.

Deutscher Blindentennis-Workshop

2016 gilt als Geburtsstunde des Blindentennis in Deutschland. Damals initiierte die Gold-Kraemer-Stiftung in Kooperation mit dem Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband in der Tennishalle Weiden den 1. Deutschen Blindentennis-Workshop. Vom 28. bis 30. September 2018 kamen nun erneut an die 60 Teilnehmer hier zusammen. Zum einen natürlich blinde und sehbehinderte Sportler, zum anderen aber auch Tennistrainer, die die Gelegenheit nutzten, um ihr methodisches Know How um diese faszinierende Tennis-Disziplin zu erweitern. Neugierige Anfänger konnten erste Versuche mit Klingelball und fühlbaren Linien unternehmen und auch leistungsorientierte Blindentennis-Spieler erhielten professionelles Training auf ihrem Niveau.

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Tennis mit allen Sinnen: Beim Blindentennis-Workshop lernen die Teilnehmer, das Feld zu fühlen und den Ball nur nach Gehör zu orten. Michael Wahl aus Köln (im Bild) ist Deutscher Vizemeister bei den vollblinden Spielern.

Perspektive für die Zukunft

Seit diesem Jahr widmet sich der TVM intensiver dem Thema Inklusion. In einigen Vereinen bestehen bereits Angebote für Tennisspieler mit Behinderung und Interessierte werden vom Verband fachkundig beraten. 2018 fand im Rahmen der Verbandsmeisterschaften auf der Anlage des RTHC Bayer Leverkusen auch eine stark besetzte Rollstuhltennis-Konkurrenz statt: Ein absolutes Novum in der Landschaft der deutschen Tennis-Landesverbände. 2019 sollen hieraus die offiziellen Nationalen Rollstuhltennis-Meisterschaften erwachsen. Außerdem erhalten ambitionierte Rollstuhltennis-Spieler die Möglichkeit, im TVM-Leistungszentrum in Köln-Chorweiler zu trainieren. Gemeinsam mit dem TVM-Referenten für Inklusion und Parasport, Niklas Höfken, der auch Rollstuhltennis-Bundestrainer und „Tennis für Alle“-Projektleiter bei der Gold-Kraemer-Stiftung ist, wird sich der Verband schrittweise dem Thema nähern und sein Engagement ausbauen.

 

Text: Niklas Höfken