K800 EWALD FragenIm Sommer hatte Ewald Przewloka in Bad Neuenahr den Deutschen Meistertitel der Altersklasse Herren 85 gewonnen. Es war nicht das erste Mal. Bereits vor einigen Jahren (2007 & 2012) stand er in Bad Neuenahr ganz oben auf dem Siegertreppchen. Anschließend war er auch bei den Europameisterschaften in Seefeldt nicht zu schlagen. Es waren nicht seine einzigen Erfolge bei Europa- und Weltmeisterschaften. Der erfolgreiche Senior: "Man hört irgendwann mal auf zu zählen." Dabei wollte Przewloka 2014 mit dem Turniertennis aufhören. "Mein linkes Knie wollte nicht mehr so richtig."

Drei Jahre später - mit 85 Jahren - probierte er es noch einmal. Das Knie war noch das alte, aber es wird inzwischen mit einer Orthese (Anmerkung d. Red.: medizinisches Hilfsmittel, das zur Stabilisierung und Entlastung von Gliedmaßen genutzt wird) unterstützt. "Ein Arzt in Köln hat mir dazu geraten", sagt er und verrät damit das Geheimnis seines Comebacks. Seine Gegner waren baff. "Du bist ja wieder genauso schnell auf den Beinen wie früher", berichtet Ewald Przewloka von einigen Reaktionen seiner Kontrahenten. Die Rückkehr nach Bad Neuenahr war für ihn nicht nur das persönliche Gefühl schmerzfrei spielen zu können, der Erfolg bestärkte ihn auch in seiner Einstellung "nie aufzugeben". Ewald Przewloka fühlte sich auf dem Tennisplatz wieder in seinem Element. Seinen Sieg im Viertelfinale bei den Titelkämpfen über den an Nummer 3 gesetzten Kar-Heinz Brandes bezeichnet er als sein bestes Spiel auf dem Weg zum Titel. Im Halbfinale schaltete er anschließend noch seinen drei Jahren älteren Gegner aus, bevor er das Finale wegen einer Verletzung seines Gegners "ohne Spiel" gewann.

Ewald Przewloka, klingt zwar nicht nach Rheinland, aber er ist ein echter, gebürtiger kölsche Jung. Seine Vorfahren kamen aus Oberschlesien. Den Großvater verschlug es, so die Erzählung des Enkels, als Zimmermann auf der Walz, zunächst nach Norddeutschland, bevor Köln zum Mittelpunkt der Familie wurde. Nur einmal musste sich der kleine Ewald als Schüler an eine andere Umgebung gewöhnen. Während der Kriegsjahre wurde das Sudetenland im Adlergebirge im Rahmen einer Kinderlandverschickung seine vorübergehende Bleibe. Er hat gute Erinnerungen an diese Zeit. "Damals habe ich Skifahren gelernt",erzählt er. Daraus wurde eine Leidenschaft, die bis zum heutigen Tag sein Leben nachhaltig geprägt hat. "Ich wollte sogar einmal in den Süden umziehen, um näher an den Bergen zu sein", berichtet er von früheren Plänen. Davon konnten ihn aber die Familie und Freunde abhalten. Aber auf das Skifahren konnte und wollte er nicht verzichten. Regelmäßig machte er Ski-Urlaub in den Bergen. Nicht immer ganz normale. Als Skitouren-Langläufer traute er sich auch auf Skiern mit Steigfellen auf den Mont Blanc oder auf eine zehntägige Westalpendurchquerung.

Ein sportlicher Tausendsassa

Zurück in die Heimat. Köln hat zwar keine Berge, dafür aber genügend Fußballplätze. Auf diesen tobte sich der jugendliche Ewald Przewloka und später als Erwachsener aus. Gekickt hat er zunächst in Sülz und beim Kölner BC, die später zum 1.FC Köln fusionierten. Damals schaffte er als A-Jugendlicher den Sprung in den FC-Kader. Sein Trainer damals? Hennes Weisweiler. Seine Mannschaftskameraden? Größen wie Tschik Cajkowski, Jupp Röhrig oder Hans Schäfer. Als wär's gestern, erinnert er sich stolz an seinen Pokal Einsatz gegen den 1. FC Kaiserslautern. "Da spielten Fritz und Ottmar Walter mit." Seine aktive Zeit beim FC hat er nach fünf Jahren beendet. "Ich kam nicht so richtig zum Zug, vielleicht kam auch Hennes Weisweiler mit mir nicht so richtig klar", sagt er und rätselt noch heute über seinen Entschluss mit dem Fußball aufzuhören, um zu studieren.

Englisch, Französisch und Sport waren fortan die Lieblingsfächer auf seinem Studenplan. Fächer, die er später bis zu seiner Pensionierung am Friedrich- Wilhelm-Gymnasium in Köln unterrichtete. Der Fußball spielte - auch ohne den FC - weiter eine wichtige Rolle in seinem Leben. Als Student gewann er mit der Kölner Hochschulmannschaft zweimal die Deutsche Meisterschaft. Außerdem wurde er mehrere Male in die Studenten Nationalmannschaft berufen. Als Trainer in Horrem, Bergisch Gladbach oder bei Fortuna Köln bewies er auch bei den Fußballern sein pädagogisches Geschick.

Der Sohn bringt ihn zum Tennis

Als er mit 47 Jahren den großen Fußball mit der kleinen Filzkugel tauschte, startete er eine neue Karriere. Warum Tennis? "Mein Sohn Ralf hat mich auf den Club aufmerksam gemacht, der direkt bei uns um die Ecke lag", berichtet er. Rot-Weiss Bliesheim wurde seine erste Tennisheimat. "Hier haben Ralf und ich dann Tennis einfach mal ausprobiert." Mit Erfolg: der Vater wurde Deutscher Meister, Europameister, der Sohn spielt in Düren in der Oberliga. Da der Vater keine halben Sachen mag, absolvierte er beim TVM auch die Trainerausbildung. Die Vereine, in denen er spielte, profitierten davon. In Mannschaften war er zunächst in Bliesheim aktiv, es folgten Stationen bei BW Lechenich und Blau-Weiss Köln, bevor er bei RW Euskirchen seine leistungssportliche Heimat fand. Heute spielt er mit den Herren 75 noch in der Oberliga.

Skifahren, Fußball, Tennis, das musste eigentlich für ein ausgefülltes sportliches Leben vollauf reichen. Aber weit gefehlt. Ewald Przewloka war auch ein begeisterter Radfahrer und Segler. Heute schippert er mit seinem Segelboot noch auf dem Rursee. Mit seiner Frau Ilse, die er 1958 geheiratet hat, ließ er als begeisterter Tänzer keine Tanzfläche aus. Seine Frau hat seine Leidenschaft für seine sportliche Leidenschaften immer geteilt. "Er kann eben nicht ruhig rumsitzen", sagt sie. Ändern möchte Ilse ihn nicht. "Er muss halt immer was machen." Und so lange es geht, will der sportliche Eheman seinen Bewegungsdrang weiter ausleben. Auch deshalb war sein Comback im Alter von 85 Jahren für ihn völlig selbstverständlich.

Text: Michael Thoma