Foto Gohlke WasmachteigentlichIn seinem Verein, bei Grün-Gold Bensberg, hat Christoph Gohlke alle Mannschaften durchlaufen. Besonders erfolgreich war er mit den Herren in der Regionalliga un später mit den Herren 30, die sogar in der 1. und 2. Bundesligaspielten. Heute ist der 48-Jährige, der in Overath geboren ist, seit acht Jahren Sportwart des Vereins. Gohlke hat in Köln nach dem Abitur Volkswirtschaftslehre, später noch Wirtschaftspädagogik studiert. Seitdem arbeitet er als Lehrer an einem Berufskolleg in Köln. Mit seiner Frau und den beiden Kinder Anna und Axel lebt er in Refrath.

Redaktion: Sie haben nahezu 40 Jahre als Mitglied bei Grün-Gold den Verein von der Pike auf kennengelernt. Nachdem sie als Spieler mit vielen Mannschaft sehr erfolgreich waren, wurden Sie Sportwart. Warum?

Gohlke: Wenn man so lange in einem Verein ist, ist das irgendwie auch logisch. Ich hab vor meiner Zeit als Sportwart bereits in vielen Funktionen für den Club gearbeitet, unter anderem als Trainer, habe Camps und Sommerfeste organisiert sowie Clubhefte erstellt. Da blieb es nicht aus, dass ich dann auch gefragt wurde: "Kannst Du dir das vorstellen..."

Red.: Sie kannten den Verein, deshalb wussten Sie auch, was auf Sie zukommt. Inwiefern hat das die Entscheidung beeinflusst?

Gohlke: Das machte die Entscheidung leichter. Ich wollte natürlich was zurückgeben. Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch einmal in seinem Leben ehrenamtlich was machen soll. Der Job als Sportwart ist mein Beitrag. In den zurückliegenden Jahren hab ich aber auch erfahren, dass man sehr viel zurück bekommt.

Red.: Wie würden Sie den Club mit seinen knapp 600 Mitgliedern, die in 31 Mannschaften aktiv sind, charakterisieren?

Gohlke: Es ist ein funktionierender Club. Das ist natürlich ein Verdienst meines Vorgängers Wolfgang Philippek. Der Verein hat viele nette Mannschaften. Was ich damit meine: wenn drei Mal in der Woche die Anlage voll ist, dann lebt der Club. Sportlich und gesellig war und ist bei uns immer viel los.

Red.: "Sportlich was los" - können Sie das konkretisieren?

Gohlke: Ich hab früher selbst mit den Mannschaften in den höheren Klassen gespielt. Deshalb weiß ich, was es für einen Spieler bedeutet, einen sportlichen Anreiz zu bekommen. Unser Konzept sieht vor, dass wir bei den Damen bis zur Oberliga mitspielen wollen - sie sind in diesem Jahr leider abgestiegen - bei den Herren ist die 1. Verbandsliga die oberste Grenze. Finanziell darüber hinaus geht nichts. Diese sportliche Anreize wollen wir schon bieten.

Red.: Wie sieht es mit dem Breitensport aus?

Gohlke: Da wird bei uns einiges getan. Seit Jahren richten wir regelmäßig ein Doppelturnier aus, bei dem zwei Wochen lang bis zu 200 Doppel aus der gesamten Region im Einsatz sind. Außerdem organisieren wir im Club für Kinder und Jugendliche, aber auch für die Erwachsenen sportliche Angebote, die das Gesellige fördern.

Red.: Als Spieler und Sportwart kennen Sie die Szene. Wie beurteilen Sie die Situation in den Vereinen?

Gohlke: Die Tendenz ist positiv. So wie ich das registriere, haben die Verein hier in unserer Region wieder einen verstärkten Zulauf an Mitgliedern. Es kommen wieder mehr Kinder in den Verein, was sicher auch am Angebot der Vereine liegt.

Red.: Sie hatten ihre aktive Zeit schon angerissen. Spielen Sie heute auch noch?

Gohlke: Zurzeit mach ich eine Pause. Der Rücken zwickt. Das spür ich beim Aufschlag. Aber im Winter will ich wieder mitmischen. Mein Ehrgeiz hält sich inzwischen aber in Grenzen. Medenspiele ja, aber darüber hinaus nichts mehr. In diesem Sommer habe ich noch bei den Herren 40 in der 1. Verbandsliga mitgespielt.

Red.: Als Jugendlicher hatten Sie nie den Traum, einmal Profi zu werden?

Gohlke: Welcher Tennisspieler hat den nicht. Ich wusste immer, dass ich ganz gut war, aber nie sehr gut. Deshalb kam es mir auch gelegen, dass wir hier eine tolle Mannschaft hatten, die viele Jahre zusammen gespielt hat. Die beiden Brüder Urban und Heiner Philippek, Ralph Lampe oder Markus Bündgens, um nur einige zu nennen, bildeten damals eine eingeschworene Truppe. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen zu spielen.

Red.: Wieso haben Sie nie den Verein gewechselt?

Gohlke: Als ich 13 Jahre alt war, hatte der RTHC Leverkusen mal nachgefragt, ob ich zu ihnen kommen wollte. Das war schon ein echtes Angebot. Im Leistungssport war der RTHC damals im TVM das non plus ultra. Ich hab abgesagt. Vielleicht hatte ich nicht genug Ehrgeiz, aber ausschlaggebend war wohl der Wohlfühlfaktor in Bensberg. Aber ganz ehrlich: Es würde mich schon interessieren, was passiert wäre, wenn ich die Chance genutzt hätte.

Red.: So oder so: Tennis hat ihr Leben bestimmt?

Gohlke: Kann man sagen. Zunächst war es durch die Trainerstunden für mich ein Broterwerb für das Studium. Ganz wichtig war aber die sportliche Betätigung und das Kennenlernen von unheimlich vielen Leuten.

Red.: Tennis ist nicht alles. Wie schaltet der Sportwart ab?

Gohlke: Ich spiele inzwischen auch Golf und ich koche leidenschaftlich gerne, am liebsten mit dem Wok.

Das Interview führte Michael Thoma.