K800 HeikeAlbrechtHeike Albrecht (26), in Niederzier bei Düren geboren, ist eine der erfolgreichsten Gehörlosen-Tennisspielerinnen in Deutschland. Neben zahlreichen Deutschen Meistertiteln gewann sie Medaillen bei Europameisterschaften, bei den Deaflympics (Olympische Spiele der Gehörlosen) und den Weltmeistertitel mit der deutschen Mannschaft. Dreimal wurde sie mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Auch bei den Turnieren mit normal Hörenden war sie sehr erfolgreich. Im TVM spielte sie unter anderem beim TC Inden und GW Aachen. Mittlerweile lebt sie in München. An der Ludwig-Maximilians-Universität hat sie den Studiengang Prävention, Integration und Rehabilitation bei Gehörlosen inzwischen abgeschlossen. Ein Gespräch über Leistungssport, Träume und Vorlesungen als Gehörlose.

Redaktion: Wie muss man sich das vorstellen, wenn man als Gehörlose in einer Vorlesung sitzt?

Albrecht: Durch Schriftdolmetscher und Gebärdensprachdolmetscher hat jeder Gehörlose die Möglichkeit an Vorlesungen teilzunehmen. Ich selbst habe den Online-Schriftdolmetscher von VerbaVoice genutzt.

Red.: Wie funktioniert der Online-Schriftdolmetscher?

Albrecht: Der Sprecher trägt ein Mikrofon, der Schriftdolmetscher hört das Gesprochene über Kopfhörer live mit und dieses wird live auf das Endgerät, Laptop, Smartphone oder Tablet des Nutzers übertragen. Der kann so das Gesprochene live mitlesen.

Red.: Was hat Ihnen am Studium besonders gefallen?

Albrecht: Das Thema Gebärdensprache war in unserem Studium sehr präsent. Ich habe mit einer gehörlosen Mitstudentin oft Gebärdenunterricht gegeben. Außerdem hat mich der Themenbereich Psychologie stark interessiert.

Red.: Mit welchem Abschluss haben Sie Ihr Studium beendet?

Albrecht: Ich bin jetzt Hörgeschädigtenpädagogin.

Red.: Und jetzt auf Jobsuche?

Albrecht: Ich hab schon seit Anfang des Jahres eine Festanstellung bei VerbaVoice, einem Online Schrift- und Gebärdensprachdolmetschdienst.

Red.: Was machen Sie nun?

Albrecht: Ich bin im Vertrieb tätig. Meine Arbeit besteht darin, in Schulen, Universitäten, Firmen und bei Kommunen den Verantwortlichen und den Betroffenen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die es für Gehörlose/ Behinderte gibt, am normalen Alltagsleben teilzunehmen. Die moderne Technik und die Schriftdolmetscher machen das möglich.

Red.: Bevor Sie mit dem Studium begonnen haben, wollten Sie ja auch mal Tennisprofi werden. Sie haben bei Robert Orlik auch. mit Annika Beck trainiert. Wegen einer Fußverletzung war intensives Tennis dann nicht mehr möglich. Trauern Sie dem geplatzten Tennistraum nach?

Albrecht: Ja, wenn man so viel Spaß an seinem Sport hat, dann will man den auch zu seinem Beruf machen. Nach dem Abitur hatten meine Eltern es mir ja ermöglicht, mich ganz auf Tennis zu konzentrieren. Viele hatten mir damals geholfen. Besonders möchte ich hier einmal unsere Truppe bei Robert Orlik in Kerpen erwähnen, Julia, Annika, Antonia die mich super bei sich aufgenommen haben. Jeden Tag, vier bis sechs Stunden trainiert - einfach super.

Red.: Dann kam die Verletzung.

Albrecht: Wenn man Tennisprofi werden will, reichen Talent und ein eiserner Wille nicht aus. Der Körper muss auch funktionieren. Da haben halt meine Füße nicht mitgemacht. Durch die Verletzungspausen konnte ich dann einfach nicht die Leistung bringen, die für das Profitennis notwendig gewesen wäre. Darum habe ich mich entschlossen zu studieren.

Red.: Wie viel Tennis ist heute noch möglich?

Albrecht: Tennis ist und bleibt mein Sport! Ich spiele für den TC Blutenburg in der Bayernliga. Sehr viel Spaß hat mir während meines Studiums auch die Arbeit in einem Trainerteam am Gardasee gemacht.

Red.: Sie waren ja sehr erfolgreich, besonders im Gehörlosentennis. Welchen Stellenwert hat Tennis für Sie?

Albrecht: Durch Tennis bin ich selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt mit Nervösität, Niederlagen und Erfolgen umzugehen. Das bringt einen weiter. Es ist ein immer ein gewisser Kampfgeist und eine Motivation da, Eigenschaften, auf die man sich verlassen kann. Der Sport hat mir auch geholfen, Hemmungen zu überwinden. Meiner Meinung nach ist der Sport ein wichtiger Bestandteil für Integration.

Red.: Sie leben in München. Bestehen noch Kontakte zum TVM?

Albrecht: Immer wenn ich mal zu Hause war, konnte ich bei Grün-Weiß Aachen trainieren. Dafür möchte ich mich beim Verein und ganz besonders bei Thomas Batsch bedanken.

Red.: Studieren, Arbeiten, was machen Sie in der verbleibenden Freizeit?

Albrecht: Wenn ich Zeit habe, bin ich jede freie Minute auf dem Tennisplatz um der gelben Filzkugel hinterher zu rennen.

Das Gespräch führte Michael Thoma.