EDIT JANDer Tennisverband Mittelrhein versucht mit zahlreichen Schulkonzepten, wie dem Vielseitigkeitswettbewerb, den Tennissport in die Turnhallen zu bringen. Gemeinsam mit den Schulen sollen Kinder für die gelbe Filzkugel begeistert werden. Andreas Poppe, Bezirkstrainer im TVM, und Jan Sitz, Referendar an einem Gymnasium in Kall (Eifel), arbeiten auch daran. Im Interview diskutieren sie über spielerische Ansätze, Vorurteile bei Sportlehrern und Fördermittel.

Redaktion: Jan, wie ist das koordinative Level der Schüler?

Sitz: Teilweise ist das schon etwas schwierig, sie bekommen vieles vom Timing nicht hin. Da muss man in der Schule differenzieren, weil die Voraussetzungen heterogen sind. Das ist ein deutlicher Unterschied zum Vereinssport, wo man meist homogene Gruppe vorfindet.

Red.: Jan, wie lernen Kinder bei dir Tennis?

Sitz: Ich denke, dass viele Kinder Tennis spielen können. Man muss aber alters- und leistungsgerechte Platzmaße, Bälle und Schläger bereitstellen. Ich habe zum Beispiel eingeführt, dass Schüler einen sogenannten Kontrollschlag durchführen müssen. So kann man hervorragend differenzieren. Kinder spielen entweder direkt oder führen eben den Kontrollschlag durch.

Red.: Was sollen sie konkret lernen?

Sitz: Mir ist es wichtig, dass sie spielfähig werden, also selber spielen können. Beim Großgruppentraining ist es natürlich nicht so einfach, sich um andere zu kümmern. Deshalb müssen sie dort bereits erste Spielformen kennenlernen, um daraus spielerische Wettbewerbe entwickeln zu können. Überhaupt sind Schüler im Allgemeinen sehr motiviert. Wir machen zu Beginn auch immer ein koordinatives Aufwärmen mit verschiedenen Übungen, wo Bälle integriert sind. Da ziehen alle sehr gut mit.

Poppe: Die Erfahrung habe ich ebenfalls gemacht. Kinder kommen sofort in Bewegung, wenn Bälle im Spiel sind, sie dahinter her laufen müssen oder ihn sich zuwerfen. Bälle haben wirklich eine kleine Sogwirkung. Das ist auch ein Teil unseres Schultenniskonzepts, dass wir Kinder erstens in Bewegung bringen wollen, zweitens Kinder über Ballsport in Bewegung bringen und schließlich Tennis schnuppern lassen.

Red.: Wie wichtig ist dabei die spielerische Form?

Sitz: Gerade für die Schule ist die spielerische Art wichtig, um die Schüler bei Laune zu halten. Auch kombiniert mit ein paar technischen Sachen, damit die Kinder merken, dass sie Fortschritte machen.

Poppe: Die spielerische Komponente ist einer der Hauptaspekte. Damit sind auch Fang- und Wurfspiele in großen Gruppen gemeint, die dann zum Beispiel den Unterricht beenden.

Sitz: Gerade in der Mittel- und Unterstufe wollen die Schüler möglichst schnell spielen. Sie wollen dann richtiges Tennis spielen. Das höre ich ständig. Da muss man die Schüler manchmal etwas bremsen. Als erstes wollen sie immer den Aufschlag ausführen, aber der ist am Anfang natürlich viel zu komplex. Auch im großen Feld zu starten, ist wenig sinnvoll – oder mit den harten, richtigen Bällen.

Poppe: Neben der Bewegungsschule und verschiedenen Koordinationsübungen ist es immer auch sinnvoll, regelmäßig etwas mit dem Schläger einzuplanen. Also da sollte ein steter Mix stattfinden. Kinder verbinden Tennis natürlich immer mit dem fliegenden Ball und nicht, wie zu Beginn, mit dem rollenden Ball.

Sitz: Aber mit dem rollenden Ball arbeitest du ja eher in der fünften, sechsten Klasse.

Poppe: Also ich würde immer mit dem rollenden Ball beginnen, wenn es noch keine Vorerfahrungen gibt. Dadurch können sie sich an das Tempo und den Ball gewöhnen. Diese Gewöhnung nimmt leider einen viel zu geringen Teil ein.

Red.: Jan, ist Schultennis im Schulsport überhaupt gewollt? Gibt es da Richtlinien?

Sitz: In den Richtlinien steht Rückschlagsport und da ist auch ausdrücklich Tennis gewollt. Da gibt es genügend Freiräume, gerade im AG-Sport, um Tennis unterzubringen.

Poppe: Interessant zu hören, dass Wettkämpfe ausdrücklich gewünscht sind. Der Vielseitigkeitswettbewerb ist beispielsweise so konzipiert, dass ihn jedes Kind – ob mit oder ohne Vorerfahrung im Tennis – durchführen kann.