Linzbauer PorträtSilvio Linzbauer hat das Licht der Erde im Winter 1937 im ungarischen Sopron erblickt. Nach dem Aufstand 1956 flüchtete er nach Wien, bevor er 1958 in Aachen eine dauerhafte Bleibe fand. In Aachen studierte er Sport und Chemie und arbeitete anschließend bis zu seiner Pensionierung als Lehrer an der Realschule in Linnich. Tennis spielte er zuletzt mit Blau-Weiss Köln als Senior in der Regionalliga. In Deutschland gehörte er mmer zu den Besten seiner Altersklasse. Und auch international hat Linzbauer einiges vorzuweisen: Vor fünf Jahren hat er mit seiner Partnerin die Mixed-Weltmeisterschaften gewonnen.

Redaktion: Silvio, deine Kölner Mannschaft hat sich nach 30 Jahren aus der Regionalliga abgemeldet. Ist das auch dein Abschied vom Tennis?

Linzbauer: Nein, ich spiele noch weiter. Zurzeit muss ich wegen einer Verletzung am Fuß aber etwas kürzer treten. Die Deutschen Meisterschaften in Bad Neuenahr musste ich leider absagen.

Red.: Welche Ziele hast du noch?

Linzbauer: Im Oktober werde ich an den Weltmeisterschaften in Orlando mit dem DTB-Team teilnehmen. Dort spiele ich sowohl Einzel als auch Mixed.

Red.: Dabei kannst du ja bereits auf einige WM-Erfahrungen zurückblicken.

Linzbauer:  Genau, 2012 wurde ich mit Elisabeth von Bömmel aus Jever Weltmeisterin im Mixed. Im Einzel hatte ich damals in der 1. Runde gegen den späteren Sieger verloren. Es war ein erfolgreiches Jahr. In der Altersklasse 75 war ich damals auch die Nummer 1 der Weltrangliste.

Red.: Unterschlagen darf man auch nicht die nationalen Erfolge mit der Mannschaft von BW Köln. Wie hast du es geschafft, dass du über so viele Jahre immer mit zu den Besten gehört hast?

Linzbauer: Meine Beine, meine Füße waren stets meine besten Waffen (lacht). Ich hab wenig Fehler gemacht und war körperlich immer gut drauf.

Red.: Nicht so bescheiden. Viele sagen, dass du ein technisch versierter Spieler mit einem guten Auge warst. Hattest du je eine schwere Verletzung?

Linzbauer: Das schon aber kleinere Blessuren bleiben nicht aus, nicht bei so viel Sport. Ich hatte diverse Zerrungen und Probleme am Rücken, und zurzeit eben mein Sprunggelenk.

Red.: Hast du dir überlegt, kürzer zu treten oder gar komplett aufzuhören?

Linzbauer: Nie! Für mich galt immer "tennis forever". Die Sportart hat mir in meinem Leben in allen Belangen unheimlich viel gegeben. Spaß, das körperliche Auspowern, die mentale Auseinandersetzung im Kopf mit sich selbst aber auch mit dem Gegner. Und natürlich der Wettkampf, die Turniere mit all den Herausforderungen.

Red.: Dabei hast du ja nicht nur Tennis gespielt. Wo warst du noch aktiv?

Linzbauer: Früher hab ich auch Fußball mit der Uni-Mannschaft gespielt, danach bei Rasensport Brand und SuS Herzogenratht in der Landesliga. Fußball kam direkt hinter Tennis. Ein Jahr habe ich auch Hockey im Verein gespielt. An dem Sport hat mich auch die Technik fasziniert.

Red.: Dich hat an den Sportarten immer das technisch anspruchsvolle angezogen und begeistert. Wieso kam dann noch Golf dazu?

Linzbauer: Vor 35 Jahren hatte mich auch das Golf-Virus gepackt. Es ist ein tolle Sportart, die in jeder Hinsicht technisch und mental sehr anspruchsvoll ist. Das alles in frischer Luft und schöner Umgebung. Aber vor zehn Jahren hab ich damit aufgehört. Warum, das weiss ich selbst nicht. Ab und zu bin ich zwar noch auf der Driving Ranch, aber mehr nicht.

Red.: Weil Tennis stets an erster Stelle kam?

Linzbauer: An erster Stelle kommt immer die Familie. Leider ist meine Frau vor zwei Jahren gestorben. Unsere beiden Kinder und ihre Kinder, die in der Nähe von mir wohnen, besuchen mich regelmäßig.

Red.: Was machst du, wenn du mal nicht irgendwie sportlich aktiv bist?

Linzbauer: Meine vier Enkel bringen natürlich viel Abwechslung. Aber seit einigen Jahren besuche ich auch gerne klassische Konzerte oder auch Kunstausstellungen. Ein Bekannter von mir ist Maler. Durch ihn habe ich diesen Zugang gefunden. Außerdem fahre ich regelmäßig jedes Jahr für längere Zeit in meine Heimat nach Ungarn.

Das Interview führte Michael Thoma.