IMG 0836Im Clubmagazin Tie-Break von 2016 brachte folgende Schlagzeile den Abstieg der Damen von Grün-Weiss Aachen aus der Regionalliga folgendermaßen auf den Punkt. "Wir sind abgestiegen - aber das selten mit so viel Spaß". Und jetzt sind die Frauen wieder in die Regionalliga aufgestiegen. Man darf also auf die nächste Schlagzeile im Clubmagazin gespannt sein.

Verraten hat Thomas Batsch, Trainer der Aufsteigerinnen und damalige Quelle der Schlagzeile, bereits so viel. "Wir freuen uns unheimlich, dass wir aufgestiegen sind." Die Erinnerungen an das letzte Regionalligajahr ist noch in bleibender Erinnerung. "Es hat allen viel Spaß gemacht", sagt Thomas Batsch. Jetzt wolle man natürlich die Klasse halten.

Vor der Saison zählte das Team vom Brüsseler Ring zu den Favoriten. "Wir haben den Aufstieg nicht als Ziel ausgegeben, aber wir wollten oben mitspielen", erzählt Batsch rückblickend. Mit Lea Gasparovic, die vom Bundesliga-Nachbarn Blau-Weiss für viele überraschend an den Brüsseler Ring gewechselt ist, bekam das Team eine starke Nummer 1. Die Deutsche Meisterin der Altersklasse U18 des Jahres 2014 hatte keine Probleme mit den Erwartungen und gewann alle Spiele. "Wir waren auch überrascht, als Lea bei uns angeklopft hat", sagt Thomas Batsch über den Wechsel der 19-Jährigen vom benachbarten Bundes-zum Oberligisten. Von seiner neuen Nummer 1 ist er sehr angetan. "Sie hat sich toll integriert und war für die anderen ein echter Motivationsschub."

Probleme

Die anderen waren zum Beispiel Kelly de Beer und Manon Meulenberg, die an den Positionen 2 und 3 ebenfalls feste Größen waren, sowie Emily Castillo, Charlotte Born, Steffi Breuer und Anna Laumen. Sie trugen ihren Teil zum Aufstieg bei. Dabei waren die Rahmenbedingungen nicht immer optimal. Thomas Batsch sagt dazu: "Wir hatten teilweise Probleme, weil einige Spielerinnen im Abi-Stress waren oder sich auf ihr Staatsexamen vorbereiten mussten." Es hat geklappt - trotz des holprigen Auftakts gegen den RTHC Leverkusen. Einen Matchball mussten die Grün-Weissen abwehren, bevor der 5:4 Sieg und somit die ersten Punkte unter Dach und Fach waren.

Spannung

Die einzige Niederlage leistete sich das Batsch-Team gegen den späteren Absteiger Troisdorf. Die Aufstiegsentscheidung fiel erst zum Schluss. Vor dem letzten Spiel der Aachenerinnen lagen drei Teams - Lese Grün-Weiss Köln, Grün-Weiss Aachen und Blau-Weiss Aachen II - auf dem 1. Platz. Das Lese-Team aus Köln hatte sogar einen Matchpunkt mehr als Grün-Weiss. Diese beiden Teams hatten somit die besten Aufstiegschancen. Vor diesem rechnerischen Hintergrund musste GW Aachen das letzte Spiel gegen Blau-Weiss Aachen auf jeden Fall gewinnen, um im Aufstiegsrennen zu bleiben. Mit dem 9:0 setzte das Team ein deutliches Ausrufezeichen.

Mit dem Sieg war Grün-Weiss Aachen aber noch nicht aufgestiegen. Jetzt hieß es abwarten. Der Spielplan forderte Geduld. Denn Lese Grün-Weiß Köln hatte erst eine Woche später seinen Saisonabschluss. Gegner war Grün-Gold Bensberg, eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielte und somit jeden Punkt nötig hatte. Lese Grün-Weiss hätte 9:0 gewinnen müssen, um ihren klitzekleinen Vorsprung vor den Aachenerinnen zu behaupten. Zum Schluss stand es aus Kölner Sicht "nur" 6:3. Für den Konkurrenten aus Aachen hatte sich das Warten gelohnt: es durfte gejubelt werden.

Pläne

Für das Team von Trainer Thomas Batsch bedeutete das zunächst einmal durchatmen und freuen. Aber auch schon ein wenig an die nächste Saison denken. "Wir werden uns sicher noch verstärken, dabei aber keine finanziellen Kraftanstrengungen unternehmen", sagt der Coach und beschreibt damit die Club-Philosophie. Soll heißen: das Team wird vornehmlich aus den eigenen Reihen ergänzt. Und: "Wer zu uns kommt, muss auch zu uns passen. Wir setzen ganz auf Teamgeist", so Batsch. Mit dieser Einstellung soll der Klassenerhalt anvisiert werden. Die Aufsteigerinnen wollen auf keinen Fall eine Fahrstuhlmannschaft werden - auch wenn Abstiege manchmal ganz viel Spaß machen.

Text: Michael Thoma