Brown TBMit einer starken Team- und Doppelleistung holte sich der Kölner Vertreter im Duell mit Blau-Weiß Krefeld den ersten Saisonsieg. Dabei zeigte die Mannschaft vor allem in den engen Situationen gute Nerven. Die blau-weißen Aachener mussten dagegen nach überraschender 2:0-Führung gegen Halle letztlich eine Niederlage hinnehmen. Für sie ist das bereits die dritte Pleite. Der Rückblick des 3. Spieltages.

Als sich im Einzel zwischen dem Kölner Spieler Jan Choinski und Krefelds Maximo Gonzalez bereits das 0:1 für die Gastgeber am Olympiaweg abzeichnete, sah es zeitgleich auch auf dem Center Court bei Geburtstagskind Oscar Otte wenig hoffnungsvoll aus. Der nun 24-Jährige lag gegen seinen Kontrahenten Ruben Ramirez Hidalgo (im übrigen schon 39 Jahre alt) bereits 3:6, 1:4 zurück. Erst kurz vor der Niederlage fand der gebürtige Kölner den richtigen Weg, um sich gegen den defensiv stark agierenden Hidalgo die wichtigen Punkte zu sichern. Otte holte sich den zweiten Satz mit 7:5. Dass er dann auch den Champions-Tiebreak gewann, lag nicht nur an Ottes guter Leistung. Als sein Gegner bei 9:8 zum Matchgewinn servierte, unterlief diesem ein bitterer Doppelfehler. Unter dem Jubel der zahlreich erschienenen Kölner Fans machte Otte dann nichts mehr falsch und glich die Partie zum 1:1 aus.

In den folgenden Einzeln zeigte Santiago Giraldo eine gute Form und besiegte den Krefelder Federico Gaio nach teilweise spektakulären Ballwechseln mit 7:6, 6:3. Derweil musste Dustin Brown im Spitzeneinzel gegen den Italien Paolo Lorenzi, Nr. 33 der Welt, nach gewonnenem ersten Satz in den Champions-Tiebreak. Dort behielt der aus Rom stammende Lorenzi die Oberhand und glich damit die Partie zum 2:2 aus. Die Doppel mussten entscheiden.

Volle Dramatik im zweiten Doppel

Während das Kölner Duo Andreas Mies und Dustin Brown kurzen Prozess mit der Paarung Lorenzi/Hidalgo machte - und damit die Kölner mit 3:2 in Führung brachte, entfaltete sich auf dem Nachbarplatz die volle Dramatik. Nach einem eng umkämpften Auftaktsatz, den sich Santiago Giraldo und Pavol Cervenak gegen die Krefelder Gaio/Gonzalez mit 7:5 holten, lief der zweite Durchgang schnell zugunsten der Blau-Weißen. 6:1. Der dritte Champions-Tiebreak des Tages musste nun über einen Kölner Sieg entscheiden. Und auch dieses Mal behielten die Rot-Weißen die Nerven, wehrten zwei Matchbälle ihrer ab und siegten schließlich mit 12:10. Für Köln ist das 4:2 der erste Matchgewinn der Saison. Damit reihen sie sich im Mittelfeld der Liga ein.

Sensation schien möglich

Gegenüber der Aufstellung vom vergangenen Freitag gegen BW Krefeld gab es beim Gegner der Aachener nur eine personelle Veränderung. Bei Halle kam für den Portugiesen Joao Sousa der Niederländer Thiemo de Bakker in die Mannschaft, der an Position vier gegen Yannick Mertens (ATP 276) anzutreten hatte. Der 28-jährige, den leichte Rückenprobleme plagten, zeigte ein gutes Match, doch gegen die teilweise abgezockte Spielweise des zwei Jahre jüngeren Belgiers – der vor allem mit seiner Vorhand glänzen konnte – musste der Debütant mit 7:10 im Champions-Tiebreak seinem Kontrahenten zum Sieg gratulieren. Ähnlich knapp ging auch das Duell von Jan-Lennard Struff gegen den belgischen Davis-Cup-Spieler Joris De Loore, Weltranglistenplatz 199, verloren. Der in der Weltrangliste fast 150 Plätze schlechter platzierte Belgier spielte gegen Struffi ganz stark auf und zeigte seinen unbedingten Siegeswillen. Er sicherte sich den finalen Durchgang mit 10:8. "Bei Joris de Loore merkt man einfach, dass er Lust auf Mannschaftstennis hat und da befreiter aufspielen kann als teilweise auf der Tour", urteilte der Aachener Teamchef Marc Zander.

Mit einer 2:0-Führung schien für Aachen nicht nur ein Unentschieden sondern sogar der Sieg möglich. Doch zunächst spielte Tim Pütz groß auf und ließ dem Belgier Yannik Reuter von BW Aachen keine Chance. Beim 6:3, 6:3 ließ Pütz nicht eine einzige Breakchance zu und verkürzte auf 1:2. "Da Tim wenig auf der Tour spielt, hat er große Lust auf die Liga und zeigt derzeit sein bestes Tennis. Auf ihn ist Verlass", lobte Liebich den gebürtigen Frankfurter. Für seine Nummer eins hat er nur ein Wort übrig: "Unfassbar." Gemeint ist der 30-jährige Robin Haase, der mit seiner aktuellen Weltranglistenposition 38 nur noch fünf Plätze hinter seinem Karriere-Highlight liegt.

Gegen den 29-jährigen Ruben Bemelmans, der in Wimbledon immerhin in der dritten Runde stand und eine feste Größe im belgischen Davis-Cup-Team ist, trat Haase mit unglaublichem Selbstbewusstsein an. Er kennt seine gegenwärtige spielerische Verfassung bestens und trumpfte auf. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass Robin Haase mit einem 7:6, 6:3-Erfolg den Ausgleich herstellen konnte. So ging es mit einem 2:2 in die Doppel.

Halle stellt starke Doppel auf

Das niederländische Davis-Cup- und Freundes-Duo Robin Haase/Thiemo de Bakker erzielte in Windeseile einen 6:3, 6:3-Sieg über Yannick Mertens/Sander Gille und als dieser Punkt sicher war, hatten auch Jan-Lennard Struff und Tim Pütz den ersten Satz mit 7:6 gegen das belgische Davis-Cup Doppel Ruben Bemelmans/Joris De Loore gewonnen. Auch der zweite Satz ging an die Paarung von Halle und so konnte das Team aus Ost-Westfalen das Spiel tatsächlich noch drehen.

Der Blau-Weiß Teamchef aus Aachen, Marc Zander, fand klare Worte: "Es ist jetzt schon das zweite Spiel, wo zumindest ein Punkt mehr als verdient gewesen wäre. Wir waren im ersten Doppel mehr als dran und hatten sogar Satzbälle im ersten Satz. Das ist einfach bitter. Wir hatten uns darauf eingestellt, gegen den Abstieg spielen zu müssen, aber dass es in der Deutlichkeit schon nach dem 3. Spieltag soweit ist, damit hatten wir nicht gerechnet." Seinen Spielern machte Zander indes keinen Vorwurf. "Die Jungs haben sich heute richtig reingehängt und gekämpft. Umso bitterer, dass es nicht belohnt wird. Aber das ist Tennis“, erklärte der enttäuschte Teamchef.

BW Aachen hat die rote Laterne

Während sich Halle mit dem Sieg auf den zweiten Platz vorschob und damit erster Verfolger von Kurhaus Aachen ist, steht BW Aachen ganz unten. Für sie ist es im nächsten Spiel zwingend notwendig, die ersten Punkte einzufahren. Am nächsten Sonntag hat die Mannschaft um Marc Zander jedoch zunächst spielfrei. Vier Partien gibt es dennoch: Halle trifft im Spitzenspiel auf Kurhaus Aachen. Die Überraschung der Saison, TC Weinheim, spielt daheim gegen Gladbach, während Krefeld erneut auswärts antreten muss. Diesmal beim Tabellenvierten Mannheim. Den Abschluss des 4. Spieltags macht dann RW Köln, der zum Rochusclub nach Düsseldorf fahren muss.

Text: Thomas Borgböhmer / Tennispoint