K1024 BW Aachen Kurhaus 04Am ersten Spieltag der Tennis-Point Bundesliga sichert sich Kurhaus Aachen beim Stadtrivalen Blau Weiß einen ungefährdeten 5:1 Sieg. Am Olympiaweg in Köln dagegen trennten sich Rot-Weiss Köln und Blau-Weiß Halle in einer hochklassigen Partie 3:3-Unentschieden. Ein Ergebnis mit dem am Ende beide Mannschaften leben können.

 "Wenn Favorit sein bedeutet, dass wir unbedingt gewinnen wollen, dann sind wir der Favorit“, äußerte sich Kurhaus-Trainer Dominik Meffert im Vorfeld der Partie mit einem Augenzwinkern zur Favoritenrolle. Seine Mannschaft enttäuschte ihn nicht und sicherte sich im zweiten Aachener Stadtderby der Bundesliga-Geschichte einen deutlichen 5:1 Sieg beim Nachbarn TK Blau-Weiß Aachen. „Das Ergebnis geht so in Ordnung, wobei über den ganzen Spieltag gesehen auch ein 4:2 gerecht gewesen wäre. Für ein 3:3 geben wir allerdings die Einzel an Position 3 und 4 einfach zu schnell ab“, gestand Marc Zander, Teamchef von Blau-Weiß, als fairer Verlierer ein.

Einzel stellen die Weichen

In den Einzeln konnte Kurhaus Aachen mit Norbert Gombos, Maximilian Marterer und Nils Langer jeweils recht klare Zweisatzsiege einfahren. Nils Langer hatte sogar extra für seinen Bundesliga-Einsatz auf das Challenger Turnier in Braunschweig verzichtet. Aufgrund der Verletzungen von Pablo Cuevas und Steve Darcis musste der sportliche Leiter Alexander Legsding das Team kurzfristig umkrempeln und Nils war sofort zur Stelle. „Menschlich ein toller Zug, denn Nils stand schon in Braunschweig zum Training auf dem Platz, als ich ihn kurzfristig um seinen Einsatz bat“, so Legsding. Das Einzel an Position 2 sicherte Joris De Loore in einem engen Match für Blau Weiß Aachen, so dass es mit einem 3:1 für Kurhaus in die Doppel ging.K1024 BW Aachen Teambild 02

Auch im Doppel – gemeinsam mit Maximilian Marterer – zeigte Nils Langer wie wichtig sein spontaner Einsatz für das Team war. „Das war Tennis vom anderen Stern“, konstatierte Legsding nach dem 6:0 im ersten Satz. 6:0 7:6 hieß es am Ende für die beiden Deutschen im Doppel gegen die blau-weißen Belgier De Loore und Gille. Auch das andere Doppel konnte Kurhaus letztendlich für sich entscheiden und damit auf 5:1 erhöhen. „Ein Sieg war unser Ziel, aber in dieser Höhe hatten wir nicht damit gerechnet, noch nicht mal erhofft. Wir sind mehr als zufrieden. Die Tabellenführung wäre uns am zwar lieber am letzten Spieltag, aber wir nehmen den Platz nach dem heutigen Spieltag gerne an. Weltklasse im Club, dieser Slogan hat sich heute wieder bewahrheitet“, fasste ein glücklicher Alexander Legsding den Tag aus Kurhaus-Sicht zusammen.

Drei abgewehrte Matchbälle und ein gerechtes Remis

Der Andrang der Zuschauer, die am heutigen Sonntag ins KTHC Stadion strömten, um das erste Spiel der Tennis-Point Bundesliga 2017 hautnah zu erleben, war groß. Denn den Fans war bewusst, was sie heute geboten bekommen würden: Sonne pur, Temperaturen über 30 Grad und Tennis der Extraklasse. Sowohl Deutsche Öl und Gas RW Köln als auch TC Blau-Weiß Halle traten mit absoluten Topspielern an, die dem Publikum vom ersten Punkt an ein Spektakel boten.

DrownIn der ersten Einzelrunde war bei Rot-Weiß an Nummer 3 der ehemalige Weltranglisten 28. Santiago Giraldo gesetzt, der sein Debüt für die Kölner gab. Der Kolumbianer traf auf den spanischen Sandplatzspezialisten Daniel Muñoz de La Nava und erwischte damit ein schweres Los. Von Anfang an agierte der Linkshänder de La Nava sehr konzentriert, wusste immer wieder seine starke Vorhand einzusetzen und führte schnell mit 4:1 und Doppelbreak. Giraldo kämpfte, doch musste den ersten Satz schließlich mit 4:6 an seinen Gegner abgeben. Im zweiten Satz entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe und Giraldo konnte, angefeuert von lauten „Vamos Santi“-Rufen, spektakuläre Ballwechsel für sich entscheiden. Am Ende flatterten bei "Santi" allerdings die Nerven, sodass er sich mit 4:6 und 5:7 geschlagen geben musste. Als Daniel Muñoz de La Nava seinen Matchball verwandelte, stand, der bei RW an Nummer 4 gesetzte Oscar Otte schon unter der Dusche und holte sich eine verdiente Abkühlung ab. Zuvor hatte er mit seinem spanischen Gegner Enrique López-Pérez kurzen Prozess gemacht und beim 6:3 6:1 Sieg seine diesjährige Ausnahmeform bestätigt.

Was folgte, waren das hochkarätige Einzel zwischen den an Nummer 1 gesetzten Andreas Seppi (ehemalige Nummer 18 der Welt) und dem deutschen Davis-Cup Spieler Jan-Lennard Struff und das Entertainment-Einzel der 2er, zwischen Dustin "Dreddy" Brown und dem Weltranglisten 54. Nikoloz Basilashvili. Bei beiden Begegnungen erwartete man knappe Matches, doch das Einzel zwischen Brown und Basilashvili war das genaue Gegenteil: Dies lag maßgeblich an einem entfesselt aufspielenden Deutsch-Jamaikaner im Trikot der Kölner, der einen teils verdutzten Basilashvili, mit 6:3 6:1 vom Platz schoss. Trotz harter Gegenwehr hatte der formstarke Georgier den Gewinnschlägen und den Stops von Brown nichts entgegenzusetzen und musste sich, nach nur einer Stunde, deutlich geschlagen geben. Im Spitzeneinzel zwischen Seppi und Struffi sah es lange Zeit nach einem 3:1 für die Kölner aus. „Struffi“, wie der Westfale von seinen Anhängern genannt wird, spielte anderthalb Sätze nicht auf seinem besten Niveau, ehe er sich ins Spiel kämpfte und die Partie mit einem 10:5 im Match-Tiebreak doch noch drehen konnte. Beim Stand von 2:2 war für beide Mannschaften alles offen – die Doppel mussten die Entscheidung bringen.

Doppel-Drama mit Otte und Mies

Dem Kölner Paar Seppi/Brown merkte man, trotz einiger spektakulärer Punktgewinne, die fehlende Abstimmung deutlich an, sodass sie sich den konstant spielenden Struff und Pütz, mit 5:7 6:7 knapp, aber verdient geschlagen geben mussten. Im zweiten Doppel zwischen Otte/Mies und López-Pérez/de La Nava wurde es dann richtig spannend. Das spanische Duo aus Halle lag schon Satz und Break hinten, ehe sie den zweiten Satz drehen konnten und der Match-Tiebreak die Entscheidung bringen musste: Unentschieden oder Sieg für Halle war nun die Frage.

Otte und Mies hatten sich nun wieder gefangen und führten schnell mit 7:2. Dann jedoch verloren sie wieder vollkommen den Faden und gaben fünf Punkte in Folge ab. Für das, was dann kam, wurde der Ausdruck „Nervenkrimi“ erfunden: Bei 9:10, 10:11 und 11:12 wehrten Otte und Mies drei Matchbälle der Westfalen ab, um beim Stand von 13:12 ihren ersten Matchball zu nutzen. Damit sorgten sie für ein letztendlich verdientes Unentschieden, zwischen zwei hochqualitativen Teams, die Weltklasse-Tennis geboten und einen ersten Vorgeschmack auf eine spannenden Saison 2017 gegeben haben.

In den anderen beiden Partien des Spieltags setzte sich Krefeld mit 4:2 gegen Gladbach durch. Die Partie zwischen Düsseldorf und Aufsteiger Weinheim endete 3:3. Bereits nächsten Freitag steht der 2. Spieltag an. Weitere Spielberichte und Infos gibt es hier auf der offiziellen Homepage der Tennis-Bundesliga.

Text: Mirja Mittelhäuser