K1024 Kölzer TVMFür die Topgesetzte Romy Kölzer (RTHC Bayer Leverkusen) hat es an diesem warmen Sonntagnachmittag enorm viel Gegenwehr gegeben, ehe sie sich den Titel der Damen-Konkurrenz sichern konnte. Kölzer triumphierte auf der Anlage des RTHC Bayer Leverkusen, sozusagen im eigenen Wohnzimmer, in einem eng umkämpften Endspiel nach 2:23 Stunden.

Dabei hatte es lange Zeit nicht danach ausgesehen: Ihre vier Jahre jüngere Vereinskollegin Julyette Steur dominierte auf dem Centre-Court zunächst den ersten Satz und gewann diesen mit 6:1. Erst im zweiten Satz konnte Kölzer, die ebenfalls im Leistungskader spielt, vollends gegenhalten. Dennoch sah sie sich beim Stand von 4:5 drei Matchbällen gegenüber. Kölzer rettete sich in den Tiebreak und entschied diesen für sich. Satzausgleich. Im entscheidenden Match-Tiebreak zog die Nummer 720 der Weltrangliste dann weg und sicherte sich nach dem Verbandstitel im vorigen Winter nun auch die Sommerausgabe. "Romy hatte es richtig schwer", sagt auch Oberschiedsrichter Jo Beckers, der damit die Einschätzung der leider nur spärlich anwesenden Zuschauer bestätigte. "An einem anderen Tag geht das Match vielleicht sogar zugunsten von Steur aus."

6:2, 6:0 - das Ergebnis wird einige Tennisinteressierte doch gehörig überrascht haben. Schließlich hatten sich im Finale der Herren mit Jean-Marc Werner (TC Blau-Weiss Lechenich) und Steven Moneke (Marienburger SC) die 1 und 4 der Setzliste duelliert. Eine enge Partie wurde prognostiziert. Am Ende jedoch krönte Moneke eine wahrlich makellose Woche mit einem glatten Zwei-Satz-Sieg und stürmte damit ohne Satzverlust zum Verbandstitel. "Der Ausgang des Finals war weniger eine Überraschung", sagt Beckers aufgrund der Turnierwoche, der jedoch auch mit einem engeren Spielverlauf gerechnet hatte.

Vielen erwartbaren Siegen folgen zwei große Überraschungen

Neben diversen Favoritensiegen und Finalduellen zwischen gesetzten Spielern gab es in den sieben Turniertagen zwei Konkurrenzen, die für größere Überraschungen zuständig waren. Die 40er-Tableaus der Damen und Herren hatten am Ende zwei Namen als Sieger verzeichnet, die nicht jeder im Vorfeld der Mittelrheinmeisterschaften dort platziert hätte: Nina Laskey (Kölner HTC Blau-Weiss) und Oliver Bünten (Dürener TV). Der zuletzt genannte Bünten musste sich auf dem Weg ins Finale durch zwei Match-Tiebreaks kämpfen und besiegte mit Ralf Esser (TK Am Stadtwald Rheinbach) unter anderem die 1 der Setzliste mit 11:9 im entscheidenden Satz. Finalgegner Jörg Suchard (TuS Moitzfeld) spielte sich ohne Satzverlust, darunter ein Halbfinalsieg gegen die Nr. 2 Maurice Szpydowksi (TC Grün-Gold Bensberg), ins Endspiel. Den Zweikampf der Ungesetzten entschied Bünten dann deutlich mit 6:2 und 6:0 für sich.K1024 Moneke TVM

Zu einem kuriosen Durchmarsch darf man der ungesetzten Spielerin Nina Laskey vom Kölner HTC Blau-Weiss gratulieren. Die 40-Jährige gab in ihren vier Matches lediglich vier Spiele ab. Auch die an drei gesetzte Dina Jacobs (Eschweiler TC Blau-Gelb) musste die Übermacht ihrer Gegnerin im Endspiel anerkennen. Laskey holte sich mit einem souveränen 6:1, 6:1 den Titel in ihrer Klasse. Dass Laskey nicht in der Liste der gesetzten Spielerinnen vertreten war, liegt übrigens an ihren seltenen Auftritten bei Ranglistenturnieren. Bei den Verbandsmeisterschaften wird jedoch nach deutscher Rangliste gesetzt - und nicht nach Leistungsklasse (LK). Dort hat Laskey mit LK 03 ein enorm gutes Level vorzuweisen.

Ein Turnier zum Lernen

Für Jugend-Verbandstrainer Alexander Flock sind die Mittelrheinmeisterschaften stets eine gute Gelegenheit viele seiner begabten Nachwuchsspieler gegen die erfahrene, erwachsene Konkurrenz ins Rennen zu schicken. Von besonderem Interesse zeigte sich im Turnierverlauf jedoch zunächst das Spiel der beiden Jungspunde Tim Siebert (TTC Brauweiler) und Maximilian Gumz (TC Bayer Dormagen). In einem hart umkämpften Match setzte sich der an sieben gesetzte Siebert mit 6:4 und 7:6 durch. "In der nächsten Runde hat Tim dann sehr gut und aggressiv weitergespielt und sich einen Platz im Viertelfinale gesichert", erzählt Flock. Erst der spätere Turniersieger Steven Moneke beendete den Lauf des 18-Jährigen. "Moneke ist ein Allroundspieler, der sich gut bewegt und wenig Fehler macht", analysiert der Verbandstrainer das Spiel von Moneke. Trotz eines couragierten zweiten Satzes musste sich Siebert letztlich der Erfahrung des 13 Jahre älteren Moneke geschlagen geben. Am Ende hieß es 6:0, 7:5 für den Spieler vom Marienburger SC.

"Für die Jugendlichen ist es enorm wichtig gegen erfahrenere Spieler anzutreten. Sie lernen aufgrund des höheren Tempos und besseren taktischen Niveaus viel für ihr eigenes Spiel", sagt Flock. "Klar, manche bekommen auch mal eine blutige Nase und verlieren deutlich. Aber der Nachwuchs lernt dadurch ruhiger zu spielen und mehr Übersicht zu bewahren." Gerade mental sei so ein Turnier eine lehrreiche Erfahrung, so Flock. Das Trainerteam um den 34-jährigen Ex-Profi begrüßt solche Turniere, weil sie die Nachwuchsspieler geschlossen betreuen und begutachten können. Der Blick auf die Woche fällt demnach positiv aus.

Auch die Turnierleiter Monika Rehbronn und Jo Beckers ziehen ein gutes Fazit der Woche - mit wenigen Abstrichen in der B-Note. "Wir hatten ein großes Turnier mit 272 Starterinnen und Startern sowie insgesamt 250 Spielen", erzählt Beckers und fügt an: "Die Resonanz der Teilnehmer war durchweg positiv und teils begeistert." Das einzige Manko, so Beckers, sehe er im mauen Zuschauerinteresse. "Klar, da sind die Angehöriigen und auch einige Vereinsmitglieder, aber darüber hinaus hielt sich der Zulauf in Grenzen", sagt der Oberschiedsrichter. Dabei sehe man doch hochklassiges Tennis für lau, führt er aus. Und so gibt es eigentlich nur eine Sache, die sich für die nächste Auflage der Mittelrheinmeisterschaften ändern soll: mehr Tennisbegeisterte am Spielfeldrand.

Ergebnisse

Herren: Steven Moneke (Marienburger SC)– Jean-Marc Werner (TC Blau-Weiss Lechenich) 6:2, 6:0; Herren 30: Arnd Caspari (RTHC Bayer Leverkusen) – Sebastian Rützel (Kölner HTC Blau-Weiss) 6:2, 6:3; Herren 40: Oliver Bünten (Dürener TV) – Jörg Suchard (TuS Moitzfeld) 6:2, 6:0; Herren 45: Frank Büllersbach (Dürener TV)– Christian Barmeyer (Bonner THV) 6:3, 2:6, 10:7; Herren 50: Guido Steil (Marienburger SC) – Rolf Strung (TC Rot-Weiss Porz) 6:3, 7:5; Herren 55: Lutz Groeger (TC Rot-Weiss Porz) – Ulrich Rodewies (VfL Engelskirchen) 6:0, 6:2; Herren 60: Peter-Heinz Schillings (TC Rot-Weiss Hangelar) – Gero Weber (TC Rot-Weiss Hangelar) 6:1, 6:2; Herren 65: Rainer Borucki (Marienburger SC) – Hans-Erich Voss (TC Rot-Weiss Hangelar) 6:3, 6:3; Herren 70: Olaf Ehrich (TC Grün-Gold Bensberg) – Winfried Schardt (TK Am Stadtwald Rheinbach) 6:2, 7:5

Damen: Romy Kölzer (RTHC Bayer Leverkusen) – Julyette Steur (RTHC Bayer Leverkusen) 1:6, 7:6, 10:3; Damen 30: Bianca Itner (Bergheimer TC Grün-Weiss) – Vanessa Stute (Kölner HTC Blau-Weiss) 6:1, 6:0; Damen 40: Nina Laskey (Kölner HTC Blau-Weiss) – Dina Jacobs (Eschweiler TC Blau-Gelb) 6:1, 6:1; Damen 50: Petra Arndt (TC Grün-Weiß Königsforst) – Dörte Henrici (Marienburger SC) 7:6, 4:6, 11:9; Damen 60: Susanne Schweda (Bonner THV) – Urte Künstlinger (Bonner THV) 6:1, 6:2

Alle Ergebnisse der Mittelrheinmeisterschaften gibt es hier.