DanielSteffi Graf, Angelique Kerber, Boris Becker und Alexander Zverev - die Siegerliste der Deutschen Meisterschaften beinhaltet manch illustren Namen. Seit Samstag steht auch Daniel Milardovic von Rot Weiß Köln auf dieser Liste. Der 13-jährige Kölner setzte sich im Finale gegen Bon Lou Karstens (Tennisgesellschaft Düsternbrook e.V.) nach drei Sätzen durch.

Er zeigte über die gesamte Woche eine herausragende Leistung, die das Verbandstrainerteam um Alexander Flock besonders freute. "Daniels Leistung ist vor allem auch mental bemerkenswert, weil er sein Spiel konstant abrufen konnte", erzählt Flock. "Klar gab es gelegentlich Schwächephasen, die er jedoch in jedem Match gut überwunden hat." Bemerkenswert auch deshalb, weil die Nummer 4 der Setzliste erstmalig bei Deutschen Meisterschaften antrat. "Dafür ist er sehr locker und entspannt in die Matches gegangen und hat sich von Tag zu Tag wohler gefühlt unter den Bedingungen", sagt Flock. "Noch im November hat er bei einem ähnlich hochklassigen Turnier Lehrgeld zahlen müssen, weil er zu nervös war."

Dass er zu den besten Jugendlichen seines Jahrgangs gehört, wussten die Verbandstrainer Flock und Thomas Olschewski schon lange. Umso mehr hat es sie beeindruckt, dass ihr Schützling die Erfahrungen früherer Turniere so schnell umsetzen konnte. "Dass der Tennisverband Mittelrhein jetzt wieder einen Deutschen Meister hat, ist natürlich sensationell", sagt Flock. Er schränkt aber auch ein: "Daniel darf jetzt nicht zu früh in den Himmel gelobt werden, sondern muss weiter gut arbeiten und sich verbessern. Dann wird mit ihm in den nächsten Jahren auch auf internationalem Niveau zu rechnen sein." 

Fazit fällt dennoch ernüchternd aus

Mit gemischten Gefühlen analysiert Flock die Leistungen der sieben weiteren TVM-Junioren auf der Anlage des BASF TC Ludwigshafen. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir in der Breite noch mehr Erfolg haben", erklärt er. Dass es bei den U13-Mädels Sina Fackelmann (Pulheimer SC) und Kayleigh Castillo (TC Grün-Weiß Aachen) nicht über die erste Runde hinausging, lag vor allem an der fehlenden Konstanz. "Beide haben das Potenzial, aber müssen künftig ihr Topniveau regelmäßiger abrufen", sagt Flock. Von Enttäuschung sei deshalb nicht zu sprechen. Im Gegenteil: Das Turnier habe gezeigt, wie viel Spielraum nach oben vorhanden sei.2017 06 10 PHOTO 00000021

Auch Alexander Braun (TTC Brauweiler) konnte nicht sein gesamtes Potenzial abrufen und verlor recht deutlich in der ersten Runde. "Alexander hatte in diesen Tagen eine mäßige Form", sagt Flock. Das Turnier muss unter der Kategorie "Erfahrung gesammelt" verbucht werden. Genauso wie für die drei U16-Mädels Emmeline Polevoi (RTHC Bayer Leverkusen), Christina Bär (RTHC Bayer Leverkusen) und Elizaveta Andryukhova (Rot-Weiß Köln). "Alle drei hatten es in der ersten Runde mit gesetzten Spielerinnen zu tun. In der U16 stehen diese in der Regel auch zurecht da oben", so Flock. "Die Mädels haben ihre Matches aber gut angenommen. Besonders Christina und Elizaveta haben vielversprechende Leistungen gezeigt." Allerdings fehle es auf diesem Niveau noch an der spielerischen Souveränität, um Matches auch zu gewinnen. Emmeline Polevoi hatte in ihrer ersten Runde nicht nur mit der Gegnerin, sondern auch mit einem lädierten Knie zu kämpfen.

Als sich Verbandstrainer Olschewski Mitte der Woche mit den bereits ausgeschiedenen TVM-Junioren Richtung Köln aufmachte, musste sich ebenfalls U16-Spieler Maximilian Gumz (TC Bayer Dormagen) der Truppe anschließen. Erstmalig bei den Deutschen Meisterschaften dabei, zeigte er eine insgesamt zwar kämpferische, aber bisweilen zu passive und nervöse Leistung. "Auf seiner Leistung ist jedoch aufzubauen", sagt Flock. "Wir haben mit ihm angefangen, als er um die Platzierung 100 in der deutschen Rangliste stand. Jetzt hat er sich im Bereich um Position 20 etabliert." In den Doppel-Konkurrenzen verabschiedeten sich die TVM-Junioren ebenfalls allesamt in der ersten Runde.

Geschlossene Teamleistung vom ersten Tag an

Besonderes Lob findet Flock für das Teamauftreten. "Das war top. Alle haben sich jederzeit unterstützt." Ebenfalls positiv war die Betreuung durch Mental-Coach Klaus Regnault. "Klaus konnte gerade in den Bereichen Nervosität und Konzentration viel mit den Jugendlichen arbeiten. Das hat sicherlich einiges gebracht." Besonders vor dem Hintergrund, dass bei Deutschen Meisterschaften ein gewisser Druck für die Teilnehmer vorhanden sei, so Flock. "Alle wollen ihre beste Leistung zeigen und dann gibt es dementsprechend viel Anspannung unter den Jugendlichen." Die Deutschen Meisterschaften haben Flock und sein Team insgesamt im systematischen Vorgehen bei der Jugendarbeit bestätigt und gezeigt, an welchen Stellen künftig vermehrt gearbeitet werden muss. 

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