K1024 Regio Meulenberg3Eindrucksvoller konnte sie der Konkurrenz nicht deutlich machen, dass mit ihr wieder zu rechnen ist. Nach acht Monaten Verletzungspause hat sich Manon Meulenberg im Januar bei den TVM-Hallenmeisterschaften in der U18-Konkurrenz bei den Juniorinnen die Meisterschaft gesichert.

Zuvor, sozusagen als Warm-up, hatte sie ein Turnier in Overath und anschließend während der Weihnachtsferien noch den Dreco-Cup in Alsdorf gewonnen, sowohl in der U19 als auch Damenkonkurrenz. Die Siege taten gut. Denn nun fand die 17-jährige Belgierin auch wieder Vertrauen zu ihrem Körper.

Training, Disziplin und Biss

Es war eine schmerzhafte Ballenprellung an der Schlaghand, die sie zuletzt außer Gefecht gesetzt hat. Zuvor waren es Probleme mit dem Knie. "Ich bin wohl zu schnell gewachsen", deutet sie lächelnd einen Verursacher für ihre "Wackelknie" an. Jetzt halten sie wieder. Sie ist sie wieder - nahezu - die alte.

Manon ist eine Spielerin, die viel Biss und Disziplin hat", erläutert Thomas Batsch, ihr Trainer bei Grün-Weiss Aachen, einen grundlegenden Charakterzug von Manon. "Das hat ihr sicher geholfen so schnell wieder zurückzukommen", lobt der Trainer auch den Trainingseifer seines Schützlings, der bei Grün-Weiss in der 1. Damenmannschaft an Nr. 3 spielt. "Never give up", bringt es Manon selbst kurz und knapp auf den Punkt. Also niemals aufgeben. Das hat sie bei ihrer Rückkehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Pendeln zwischen Lüttich und Aachen

Manon wurde am 28. Februar in Romsée, in der Nähe von Lüttich in Belgien, geboren. Bei ihrer Mutter und im örtlichen Tenislcub RTC Fayen-Bois, lernte sie Tennis spielen. Das regelmäßige Training war in Belgien so eine Sache. "Wir haben trainiert, wenn gerade ein Platz frei war", erläutert die Mutter die ungewisse Trainingsplanung. Ihre Tochter hatte Talent. Mit zehn Jahren wechselte sie deshalb auch über die Grenze nach Aachen, wo sie seitdem bei Grün-Weiss in ihrer Altersklasse immer zu den besten zählte. Seitdem pendelt sie jeweils eine Stunde zwischen Lüttich und Aachen hin und her. Am Steuer die geduldige Mutter. Erschwerend für das regelmäßige Training kommt hinzu, dass Manons Tag als Schülerin am Athenee Royal Liége-Atlas nahezu ausgebucht ist. "Der Unterricht geht bis in den späten Nachmittag", erzählt Manon ihren schulischen Alltag. "Danach müssen noch die Hausaufgaben erledigt werden."

Zweispurig mit Chemie und Physik

Trotz allem Stress hat sie in ihrer Schulkarriere ein Jahr übersprungen. "Manon ist eine gute Schülerin", lobt die Mutter die Tochter, die im Sommer der SchuleK1024 Regio Meulenberg4 endlich Tschüss sagen kann. Nach dem Abschluss will sie zweispurig weiterfahren. Tennis wird sie nicht aufgeben, aber sie will auch studieren. Konkrete Pläne hat sie bereits. Ihre Lieblingsfächer in der Schule, Chemie und Physik, will sie demnächst an der Uni in Lüttich vertiefen. Später im Beruf wissenschaftlich zu arbeiten, könnte sie sich gut vorstellen. Aber damit will sie sich erstmals Zeit lassen.

"Ich will mal sehen, wie es im Tennis weitergeht", blickt Manon realistisch nach vorne. Wenn die Erfolge ausbleiben, der Sprung ins Profitennis möglicherweise nicht so klappt wie erhofft, will sich sich ganz auf ihr Studium konzentrieren. Aber sie glaubt zunächst mal an ihre Chance als Tennisprofi. Ihre Mutter bleibt beim Blick in die Tennis Zukunft realistisch nüchtern. Sie weiss, was alles auf ihr kleines Tennisunternehmen zukommt. "Wir müssen natürlich auch auf die finanziellen Belastungen achten", räumt die Mutter ein. Sie weiß, dass die Reisen zu den Turnieren recht kostspielig ist. Die Suche nach weiteren Sponsoren und Unterstützer gehört für das Mutter-Management zu den vorrangigen Aufgaben. Ihre Hoffnung: Vielleicht gibt es jemanden, der an ihre Tochter glaubt und sie entsprechend unterstützt.

Einhändige Rückhand wie ihr Vorbild

Ihr Ziel macht Manon nicht an einem Ranglistenplatz fest. "Ich will mein bestmögliches Tennis spielen, dann werde ich sehen, was möglich ist", sagt sie schon sehr erwachsen. Ihr Trainer in Aachen traut ihr einiges zu. "Sie verfügt über ganz wichtige Voraussetzungen, um erfolgreich zu werden." Thomas Batsch meint damit ihren Willen und ihr Durchhaltevermögen. "Davon wird vieles abhängen, wohin sie sich entwickelt." In ihrem Spiel kann noch einiges verbessert werden, weiß Manon selbst am besten. Die Beinarbeit, die Fitness oder auch die Schlagtechnik. Aber wer ist mit 17 schon perfekt, wenn es um die Vor- oder Rückhand geht. Apropos Rückhand. Die schlägt sie einhändig wie ihr Vorbild Roger Federer, ein Spieler, der nach Verletzungen auch immer viel Willenskraft bewiesen hat, um zurückzukommen.

 

Autor: Michael Thoma